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Nein. Wasser fällt in Afrika nicht vom Himmel

Frauen.Gespräche 🌸 Tansania . Wassersuche . Kaffeeplantaschen . Projektarbeit für Frauen


Unsere Welt beginnt so richtig, wenn wir uns auf unser Gegenüber einlassen. Auf der ganzen Welt einlassen und merken, dass wir einerseits viele Gemeinsamkeiten haben. Andererseits einiges Fremde so ganz und gar nicht nachvollziehen können. 

 

Simone Biegler, gebürtige Wienerin, 2-fache Mutter und Diplomkrankenschwester hat unter der Sonne Afrikas ihre persönliche Welt gleich um einen ganzen Kontinent lebbarer, greifaberer und vorallem realer gemacht.

 

Ein Interview in dem immer wieder die Worte Intuition gefühlt und gesprochen wurden. Die Intuition Wasser zu finden. Die Intuition für die Familie zuhause auch über viele 1000 Kilometer gute Entscheidungen zu treffen. Die Intuition afrikanische Frauen in all ihrer Stärke zu sehen und deren Potential zu unterstützen. In aller Komplexität einen eigenen Verein innerhalb von drei Jahren auf die Beine zu stellen, ist Intuition wohl eines der wesentlichsten Elemente für die Welt. Geld natürlich auch. Stärke, Mut und Kraft sowieso.


Frauen-Kraft Redakation: Liebe Simone, erzähl uns doch bitte von deinem ersten Weg nach Afrika

Simone Biegler: Mein Name ist Simone Biegler, ich bin am 14.4.1973 in Wien geborgen und habe 2 Kinder, auf die ich sehr stolz bin. Fast 18 Jahre lang waren wir 3 ein gemeinsames „Gespann“. Nun sind sie erwachsen und gehen ihre eigenen Wege. Trotzdem haben wir 3 immer noch eine ganz enge Bindung – und genießen jetzt mehr denn je, unsere gemeinsame Zeit. 

 

Ich bin eigentlich Diplomkrankenschwester – und hatte auch immer einen tollen Nebenjob als Gesundheits- und Pilatestrainerin, den ich sehr gerne 20 Jahre lang ausführte.

 

Leider hatte aber dann mein Sohn eine echte Pupertätskrise mit 16 Jahren, und – irgendwann hat mir dann ein Bekannter gesagt: „schnapp doch deinen Sohn, setz dich in den Flieger – und komm mit ihm nach Afrika." Dieser Bekannte hat eine Wasserfirma in Afrika. Und – obwohl ich ehrlich gesagt, tatsächlich niemals in meinem Leben je nach Afrika fliegen wollte, haben wir das getan. 

 

Meinem Sohn gefiel der Aufenthalt wirklich gut, er konnte auf einer „Shamba“ mitarbeiten, also eine Bohnenfarm – mitten im Maasaigebiet. Wir hatten viel Spaß in dieser Zeit – und ich genoss diese Zeit wirklich sehr, denn – schon lange hatten wir nicht mehr so ein schönes Mutter-Sohn Verhältnis. Leider war es auch für lange Zeit – die letzte gemeinsame Zeit mit meinem Sohn.

 

 

Frauen-Kraft Redakation: Mit einem Freund vor Ort hattest du natürlich ganz andere Möglichkeiten in das Leben eines Landes einzutauchen.

Simone Biegler: Während dieses Aufenthaltes erhielt ich von meinem Bekannten mit der Wasserfirma, Michael Schwarzmann, die Möglichkeit, bei einer Wassersuche mitzuhelfen. Es war eine Suche, die von der tansanianischen Regierung bezahlt wurde – für tausende Menschen, die in den Bergen Mpandas leben – ohne Wasser, ohne Strom, ohne nichts….3.Welt pur. 

 

Also setzte ich mich – völlig unbekümmert – in einen afrikanischen Bus – und fuhr 22 Stunden quer durch Tansania, zu der Wassersuche.

 

 

Frauen-Kraft Redakation: Busfahren hört sich für uns so selbstverständlich an.

War das damals auch für dich vor Ort so?

Simone Biegler: Etwas, was ich heute sicher nicht mehr tun würde. Die Busfahrt gehört sicher zu meinen absoluten Horror Erlebnissen meins Lebens!

 

In Mpanda angelangt, wurde ich gleich mit der Bohrfirma in den Bush zu den Wassersuchen gebracht. Alle waren dabei…tausende Dorfbewohner, der Bürgermeister von Mpanda, Michael, etliche Bohrmitarbeiter….und eine weiße Frau. 

 

Völlig unbekümmert machte ich mich gleich einmal dort auf die Suche – und wurde sofort der verschiedenen Gefahren dort belehrt. Die grüne und die schwarze Mamba waren genauso gefährlich – wie manche Menschen, die noch nie zuvor in ihrem Leben – weiße Menschen gesehen haben. Schon gar keine blonde Frau.

Zuerst sahen die Menschen noch durch mich durch, dann versuchte ich Kontakt aufzunehmen – was ja auch schon wichtig war, damit sie das Wasser dann auch annehmen – und dann haben sie mich förmlich überrannt. 

 

 

Frauen-Kraft Redakation: Ich weiss, dass du in Österreich schon intensiv Erfahrung mit Wünschelruten gehen und mit der Suche nach Wasserardern gesammelt hast. Wie war das vor Ort in Afrika. Fühlst du das Wasser vor Ort anders als in Österreich? 

Simone Biegler: Michael überlies mir im vollen Vertrauen eine Wassersuche. Natürlich bedeutete das aber auch, wenn das schief geht, sind mehrere tausend Dollar weg. UND – der Vertrag besagte, nur dort Wasserstellen zu finden, wo mehr als 2000 Liter vorhanden waren – und die Stelle unter Hundert Meter war. Keine einfache Aufgabe für einen Wassersucher. 

 

Ich fand sofort eine geeignete Stelle. Bei 30 m und über 3000 Liter konnte ich frisches Bergwasser finden! In einem Gebiet, wo noch nie Wasser gefunden wurde. Wenn ich mir die Bilder heute ansehe, bin ich immer wieder sprachlos. 

Simone Biegler: Diese Bilder habe ich dann auch auf Facebook gestellt – und daheim in Österreich hatten einige Menschen Interesse an dem was ich dort tat.

 

Also hielt ich im November 2017 einen Vortrag darüber. All meine Geschwister halfen mir dabei. Meine Schwester war für die gesamte Produktions des Vortrages zuständig, meine kleinere Schwester half mir mit den Arbeiten während des Vortrages – und mein extrem musikalischer Bruder, begleitete den Vortrag mit afrikanischen Liedern auf dem Klavier. 

 

An diesem Abend kamen Spenden zusammen, also musste ich einen Verein gründen – und da an diesem Tag „Gertrud“ im Kalender stand, hab ich meinen Verein gleich „Gertrud – Verein zur Förderung von Wasserprojekten“ genannt. Ab da hat sich alles geändert für mich. 

 

Frauen-Kraft Redakation: Ich kann mir vorstellen, dass man viele Dinge auch einfach in Österreich über die Distanz nicht regeln kann.

Simone Biegler: Seither war ich 10x in Tansania, um ein geeignetes Projektgebiet zu finden. Ich wollte auf jeden Fall Frauen unterstützen, um in ihre Selbstständigkeit zu kommen. Und wo die Menschen dafür selbst auch bereit waren, etwas von sich aus - für den Verein zu tun. 

 

Frauen-Kraft Redakation: Was genau ist die Namnyaki Women Group?

Simone Biegler: Im Februar 2019 gründete ich in einem Gebiet, das so groß ist wie Niederösterreich – und sehr trocken – eine Maasaifrauengruppe. Die „Namnyaki Women Group“ – wurde ins Leben gerufen

Seither konnte mein Verein dort über 40 Bäume pflanzen, mehrere Beete mit Gemüse anbauen, und einige Hektar an Feldern bestellen. 

 

Die Frauen mussten die Felder und Beete selbst bebauen und bewässern. Dafür brachten sie das Wasser, mehrere Kilometer auf ihrem Kopf, von der eigenen Farm zu dem Projektgebiet. 

 

Jetzt 5 Monate später, haben sie noch immer die volle Verantwortung für dieses Gebiet übernommen. Sie konnten die Schulkinder ernähren, und konnten einiges am Markt verkaufen. Das Geld kam retour in die Vereinskassa für Namnyaki - mit dem Geld wird jetzt der Wasserbrunnen finanziert.

 

Natürlich reicht das nicht, daher ist mein Verein hier – und auch an meiner Idee bezüglich Ausbau des Projektes, auf Spenden angewiesen. 

 

Frauen-Kraft Redakation: Wie schaffst du es, deine eigenen körperlichen & geistigen Ressourcen zu wahren?

Simone Biegler: Im Zuge meiner Suchen nach einem geeigneten Projekte, das mein Verein unterstützen konnte, wurde die Situation daheim in Österreich für mich immer unerträglicher. 

 

Irgendwann habe ich dann zuhause den Schlußstrich gezogen. Ich kündigte meinen Job, gab alle meine nebenberuflcihen Tätigkeiten schweren Herzens auf, gab unsere Wohnung auf – und ging für 3 Monate nach Afrika. 

Die nervliche Belastung mit meinem Sohn war in der Zeit so groß, das ich keinen anderen Ausweg mehr fand. Ich verlies mich ab da – absolut nur noch auf meine eigene Intution. 

 

In dieser Zeit stieß ich auf Kaffeeplantagen in Afrika. Und mir gefiel gar nicht, was ich dort sah. Unser Kaffee ist gar nicht wirklich das, was wir als Hochland Arabica Kaffee ansehen.

 

Frauen-Kraft Redakation: War dir in diesem Moment schon bewusst, welche Möglichkeiten du dadurch haben könntest?

Simone Biegler: Ab da wollte ich auch diese hohe Qualität der tansanianischen Kaffeebohne in Österreich. 

Und ich wollte eine Verbindung zum Verein. 

 

Seither war ich mit dem Aufbau meines Kaffeebusiness beschäftigt. Ich absolvierte zahlreiche Kurse über Kaffee, Kaffeeanbau, Kaffeehandel absolviert. Und natürlich musste ich viele Businesspläne schreiben, Förderungen und Kredite beantragen, und mich gezielt auf das Leben einer Selbstständigkeit vorbereiten. Auch das konnte ich in vielen Kursen erlernen. 

 

Anfangs war es eher noch ein „schwammiges Projekt“ mit vielen Fragen, - aber mit der Zeit wurde es ein fixer Plan, den ich seither verfolge. Seit Juni habe ich nun meine eigene Kaffeemarke „Meicoffee“ mit 100% hochwertigster tansanianischer Arabica Bohne. Eine echte Seltenheit. 

 

Der Handel mit Grünkaffee von Tansania – und Spezialröstern in Europa ist in Planung, ebenso wie mein eigenes soziales Kaffeehausprojekt in Aspang am Wechsel. 

 

Alles sehr komplex- und trotzdem habe ich mich immer nur von meiner Intuition führen lassen.

Und bisher passt es sehr gut. 

 

Ich bin nun auch bei einem Pop Up Store des Gründungszentrums Niederösterreich bei der Niederösterreichischen Landesausstellung mit meinem Kaffee mit dabei. Also für alle Interessierten, es würde mich sehr freuen, wenn ihr hier vorbeischaut. 

 

Frauen-Kraft Redakation: Und dein Sohn? Wie ist euer Verhältnis heute?

Begleitet er dich manchmal mit nach Afrika?

Simone Biegler: Mit meinem Sohn verstehe ich mich jetzt wieder besser denn je. Er ist jetzt beim Bundesheer, und hat eine ganz liebe Freundin. Die schlechten Freunde – und deren Einfluss, sind somit Geschichte. 

 

Bezüglich der Wassersuchen in Afrika – Michael hat mich seither immer wieder zu Wassersuchen eingeladen, im Gegenzug dafür konnte er jetzt meinen eigenen Wasserpunkt in meinem Projektgebiet, bestätigen. 


Wie genau kann man Wasser in Afrika finden? Wie sehr kannst du mit deiner Fähigkeit des Rutengehens diese Arbeit unterstützen?

Gibt es einen Unterschied zwischen der Auffindbarkeit von Wasser in Österreich und Afrika?

In Afrika – findet man Wasser wie überall auf der Welt. Es macht keinen Unterschied, ob ich eine Wasserader in Österreich suche – oder eine Wasserader in Afrika. Normalerweise geschieht das so, wie es unsere Großeltern schon getan haben – mit der Rute. Oder mit dem Pendel. 

 

Trotzdem ist es nicht so einfach in Afrika. Eine Wasserfirma benötigt etliche Lizenzen und geologische Berichterstatter, außerdem die Erlaubnis der Wasserbehörde und natürlich werden auch zahlreiche „Geräte“ zur Suche eingesetzt, die aber im Grund nur die Suche bestätigen. (Quasi damit es bissl theoretischer aussieht).

 

Ich selbst habe mich einfachheits-halber darauf programmiert, ohne jegliche Hilfsmittel, Wasser zu finden. Dasselbe gilt für Tiefe, und Menge. Auch Störfelder, Gesteinssuche etc. führe ich ohne weitere Hilfsmittel durch. 

Was sind die größten Hürden in Afrika um den Menschen Wasser nutzbar zu machen?

Ganz einfach – die Kosten. Ein Brunnen kostet so viel wie bei uns, was klar ist. Denn – damit sind viele Kosten verbunden. 

 

Manche haben nicht einmal genug Geld um ihre Kinder zu ernähren, geschweige denn das Geld für einen Brunnen.

Wenn du die Kinder in Afrika heranwachsen siehst, welche Botschaft würde ein afrikanisches Mädchen einem österreichischen Mädchen mitgeben um die Welt zu verbessern?

Was ist das größte Potential und die größte Gefahr der Frauen vor Ort?

So wie ich die Menschen hier kennengelernt habe würden sie keine Botschaften weitergeben. Sie sind auch keine Weltverbesserer, sondern versuchen einfach jeden Tag so gut wie möglich zu leben. 

 

Die Frauen in meinem Gebiet sind aber sehr stark – und motiviert, etwas zu verändern. „Gefahr“ sehen eher auch nur wir Europäer – Afrikanische Frauen würden sich selbst nie als gefährdet einstufen.

 

Die Frauen in Tansania haben in im Februar 2019 dir eine sehr große Wertschätzung entgegen gebracht und dich zur Massai-Frau ernannt.

Kannst du uns dazu die Hintergründe erzählen?

Mir war das sehr unangenehm. Ich bin auch nicht wirklich ein großer Freund der maasaiianischen Tradition, die eigentlich brutal ist gegenüber Frauen und Kindern. (Auch etwas, das die Frauen dort nicht so sehen)

 

Sie waren einfach glücklich, weil ich ihnen helfe. Aber ich habe ihnen mehrmals erklärt, das die die Hilfe meines Vereines ist. 

 

Ich bin ehrlich gesagt auch nicht die typische NGO Gründerin. Ich habe dieses Projekt ins Leben gerufen, nicht um mich selbst zu verwirklichen, sondern ich sehe es als meine verantwortungsvolle Arbeit, mit Spendengeldern etwas Sinnvolles zu tun. 

 

Und ich denke, dadurch, das ich das als meine „Arbeit“ sehe, kann ich mich auch gut abgrenzen – und sehe alles sehr objektiv. (was in diesem Gebiet sicher sehr wichtig ist)


NGO Gertrud . Verein zur Förderung von Wasserprojekten

Der Verein NGO Gertrud Verein zur Förderung von Wasserprojekten besteht aus einer Obfrau (Simone Biegler) ,einer Obfrau Stellvertretung, einer Kassiererin und deren Stellvertreter. Das ist alles Pflicht. 

 

Außerdem gibt es einige Mitglieder – jeder der den Vereinsbeitrag von 13,- jährlich bezahlt, ist Mitglied des Vereines. 

 

Der Verein arbeitet absolut ehrenamtlich – und die Spenden kommen 1:1 direkt in das Projektgebiet. 

Überprüft und bestätigt wird das alles am Finanzamt Wr. Neustadt, und bei meiner Steuerberaterin.

Ich alleine bin in den Projektgebieten unterwegs, unterstützt werde ich finanziell von den Spendern. 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Tansania gibt es 2 projektbeauftrage Frauen:

– Fortunata ist die zuständige Dame vom Gouvernement, sie ist die Leiterin der Schulen. Außerdem Nancy Nashilu Mtei (Lehrerin an der Nariva Hill- school) – und natürlich die Maasaifrauen. 

 

Die Maasaifrauen haben eine Vorsitzende für ihre Gruppe gewählt, außerdem eine Schriftführerin und eine Kassiererin, und deren Stellvertreter. 

 

Jeden Tag wird eine der Frauen bestimmt, sich um die Pflanzen zu kümmern (bewässern, düngen, - und bewachen!) – und nachdem das eine sehr anstrengende Tätigkeit ist (nach ihrer Arbeit am eigenen Feld) – wechseln sie täglich dafür.

 

Informationen zu Simone Biegler und NGO Gertrud: 

www.simonebiegler.com

www.facebook.com/waterprojectsfortheworld

www.instagram.com/ngo_gertrud

 

Spendenkonto

IBAN: AT 54 2024 1050 2529 5196



Frauen-Kraft.at . Oktober 2019 . Christine Josefy


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